Rückblick 2012

27. November 2012
Zürich

Programm als PDF

Interessant und ausschliesslich Mobile: Swiss Payment Forum 2012
Nachbericht und Zusammenfassung von Christian Baumann, smama, 27.11.2012

Das diesjährige Swiss Payment Forum war ausschliesslich von mobilen Themen geprägt.
Die Referenten von

  • SIX Payment Services, Tobias Wirth, smama-Mitglied: Zum Stand von Mobile Payment in der Schweiz
  • Sunrise, Howie Sennhauser: Differenzierungsmerkmal der Technologien
  • MasterCard, Peter Durrer: Trends und Chancen für die Kreditkartenunternehmen
  • Aduno-Gruppe, Rolf Fäh: Vom Ritsch-Ratsch zur kontaktlosen Zahlung
  • Datenreisebüros (Chaos Computer Club), Andy Müller-Maguhn: Techniken für die Risikomaximierung
  • UBS Card Center, Jean Paul Kölbl: Fraud-Erkennung bei jeder Zahlung
  • SBB, Patrick Comboeuf, smama-Mitglied: : Digitale Transformation und die entsprechenden Antworten
  • Netcetera, Dr. Thomas Fromherz, smama-Mitglied: Wally, die eWallet-Lösung der SBB
  • 20 Minuten Online, Hansi Voigt, smama-Mitglied (Tamedia): Neue Nutzungsverhalten der Mobile-Leser

zeigten die Perspektiven für das nächste Jahr auf und beleuchteten im Detail die Themen M-Commerce und M-Payment. Eine hohe Priorität nahm dabei die kontaktlose Übertragungstechnologie NFC ein. Es wurden Sicherheit, Kundennutzen der Mehrwertdienste sowie die neuen Markt-Player und deren Zusammenspiel eingehend diskutiert. Das mobile Wallet spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. Neue Anbieter in diesem Umfeld zeigen mit ihren neuen Angeboten wie Apple Passbook und Google Wallet klar auf, wohin die Reise geht.

 

Die Referenten der SBB und von 20 Minuten Online vermittelten den Teilnehmern auf eindrückliche Weise, wie sie diesen mobilen Themen mit ihren künftigen Strategien begegnen. Den Gegenpol zu den Innovationen und Trends setzte das Special mit Andy Müller-Maguhn vom deutschen Chaos Computer Club. Er sensibilisierte die Teilnehmer mit einigen Beispielen für Sicherheitsrisiken wie Abhörmethoden, Datenklau und wie man sich durch Sicherheitskonzepte die optimalen organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen kann.

Einig ist man sich unter den Spezialisten, dass die mobilen Services Online überholen werden und sie dies in einigen Bereichen bereits getan haben. Sobald NFC über die Gerätehersteller in der Breite zu den Endkunden gelangt und die Infrastruktur sowie dazugehörige Prozesse bereitstehen, wird das Thema massentauglich. Eine wichtige Rolle für die breite Nutzung spielt dabei die Kundenakzeptanz, die durch bereits bekannte und einfache Bedienung sowie Vertrauen in die Sicherheit erreicht wird. Anbieter und Händler sollten sich deshalb auf diese Welt vorbereiten, indem sie Ihre Kreditkarten Terminals und Kassen aufrüsten und die innovativen Trends vom Start weg unterstützen können. Auch kam aus den angeregten Gesprächen heraus, dass die Infrastrukturen die solche Lösungen bedienen, hohe Kosten generieren und diese möglichst konzentriert in wenige Plattformen investiert werden sollten. Typischerweise für die Schweiz ist der Markt für viele solche Infrastrukturen zu klein. Statt später konsolidieren zu müssen, sollte darauf geachtet werden, von Beginn weg gemeinsame Wege zu finden und zu standardisieren.

Folgend die einzelnen Referate zusammengefasst:

Tobias Wirth von SIX Payment Service und smama Vorstandsmitglied räumt das Thema M-Commerce und M-Payments strukturiert auf und zeigt die Evolution des M-Payment an den Beispielen Starbucks, Google Wallet und Square auf. Es wird klar, dass heute noch sehr viele Anbieter um den M-Payment- und M-Commerce-Kuchen buhlen. Es gibt unterschiedliche Bewegungen zur Standardisierung der verschiedenen Technologien. Er teilt das Thema M-Payment- und M-Commerce in M-Proximity, M-Remote, M-Banking auf und gibt eine Übersicht über die Unterthemen. Mit verschiedenen Beispielen werden die Key-Elemente sowie die künftigen Vorteile von NFC erklärt. Auch die Bezahlung über Apps, Barcode und SMS ist ein Thema. Anschliessend geht er detailliert auf den neuen Trendmarkt für Mobile POS Acceptance Lösungen wie Saferpay, Square, iZettle, Groupon Payments und SumUp ein, wobei das Smartphone durch eine App sowie einen externen Reader zu einem Karten-Zahlterminal erweitert werden kann. Der Status Quo der Schweiz von M-Commerce wird so transparent dargestellt. Dem M-Commerce im Bereich Mobile Remote Payment wird eine rosige Zukunft in Bezug auf die verschiedenen Business Cases vorausgesagt.

Howie Sennhauser von Sunrise Communications geht nun detailliert auf das Thema NFC ein und erklärt einige Differenzierungsmerkmale zu RFID und ähnlichen Technologien. Die Einsatzmöglichkeiten von Contactless Payment werden in Card Emulation, Access & Control und Tag Reading aufgeteilt. Er erklärt das zeitliche Vorgehen für den geplanten Wallet-Piloten von Sunrise in Zusammenarbeit mit UBS, Nexperts und Oberthur. Auch präsentiert Sennhauser die Roadmap sowie das Ecosystem von Contactless und NFC. Interessant sind die Ausführungen über die Key Drivers in diesem Umfeld. „Neue“ Players wie Apple und Google werden immer wichtiger im M-Payment Segment. Mit 400 Mio. iTunes Kunden bei Apple verwundert dies nicht. Spannend wurde es dann beim Thema Benutzer Akzeptanz, die bei vielen Anbietern leider vergessen geht. Die positive Erkenntnis daraus ist, dass mit NFC die Hauptbedürfnisse der Endkunden in der angepeilten Altersgruppe offensichtlich abgedeckt werden. Anschliessend geht Sennhauser auf das Sunrise Wallet, das in der Umsetzung ist, ein. Dabei werden Bereiche wie Sicherheit und Infrastruktur technisch erläutert. Seiner Meinung nach wird die SIM Karte künftig Träger des Secure-Elements sein. Bei den Ausführungen der Rahmenbedingungen und Abhängigkeiten wird klar, dass die Investitionen für die Umsetzung sehr hoch sind und nicht jede Unternehmung sich diese eigenständig leisten kann. Es sollte deshalb auf gemeinsam genutzte Plattformen aufgesprungen werden.

Peter Durrer von MasterCard Worldwide spricht über Trends und Chancen aus der Sicht von Kreditkaten Unternehmen. Die Welt hat sich mit der Einführung von Smartphones drastisch verändert und das M-Payment nimmt einen immer höheren Stellenwert ein. Es zeichnen sich weltweit verschiedene Trends wie die Verschiebung der Handelsumsätze auf das Mobile ab. 37% der Top 500 Internet-Händlerseiten sind bereits für das Mobile optimiert. Auch wird das Mobile immer mehr zum Katalysator und ermöglicht ein konsistentes Einkaufs-Erlebnis in unterschiedlichen Zahlsituationen über alle Geräte bzw. Interaktionskanäle. Er schreibt im Gegensatz zu Howie Sennhauser die nicht SIM integrierten NFC-Lösungen noch nicht ab. Es gibt noch verschiedene offene Fragen in diesem Umfeld wie: Wem gehört die Plattform? und Wo liegt das Secure Element? Die Wertschöpfungskette zeigt auch hier, dass die Investitionen in die Infrastruktur sehr hoch sind. Künftig ist es seiner Meinung nach sehr gut möglich, dass der Kunde am POS eincheckt, nicht wie heute ausgecheckt!

Auch Rolf Fäh von der Aduno-Gruppe zeigt zuerst nochmals die Evolution der Kreditkarte vom Ritsch-Ratsch bis zur Contactless Zahlung auf. Er geht anschliessend auf die Praxiserfahrung bei einigen Kunden ein als Beispiele zum Thema NFC. Auch spricht er über Hürden und Fallstricke und darüber, wer bei all den Technologie-Diskussionen an den Kunden denkt und wagt den Blick in die Zukunft. Es zeichnet sich glücklicherweise ein Paradigma-Wechsel von technologie- zu kundenbedürfnisgetriebenen Lösungen ab! All die Sicherheiten wie Eingaben von PIN, persönliche Angaben oder 3D-Secure im Zahlprozess, sind eher verhindernd und wurden bisher immer vom Anbieter erfunden und getrieben. Der Endkunde wünscht sich einfachere Abläufe, Apple macht dies ja seit längerem vor. Er nimmt dazu als Beispiel seinen Sohn, der das iPhone schon 2-jährig intuitiv bediente. Auch die Standardisierung und Verbreitung wird mittelfristig für den Erfolg entscheidend sein – der Kunde entscheidet ja immer selber. Zu viele technische Begriffe, Logos und Namen verwirren und sind kontraproduktiv. Es ist wichtig, akzeptierte Prozesse und Services auch in Zukunft zu unterstützen, damit die Akzeptanz gewährleistet wird. Konzepte und Praxiserfahrungen decken sich leider nicht immer. Die Infrastruktur wird sich laufend verändern, deshalb sollte die bestehende Infrastruktur genutzt und weiterentwickelt werden. Eine grosse Hürde sind immer wieder die Vorgaben der Kreditkartenunternehmen, die in verschiedenen Themen unterschiedliche Standpunkte vertreten. Angewiesen ist man auch auf die technische Einbindung der Telco’s damit die Verbreitung sowie die Akzeptanz gewährleistet ist. Auch die Umgebungsverhältnisse sind sehr wichtig für einen problemlosen Betrieb. Lärm, Strahlung und Platzverhältnisse spielen dabei eine wichtige Rolle. Es geht den Kunden vor allem darum, dass bezahlt werden kann. Auch sollten keine technischen Details kommuniziert werden. Rolf Fäh empfiehlt den Händlern sich für die NFC-Akzeptanz vorzubereiten, egal wie die Lösungen künftig aussehen werden.

Eine ganz andere Sicht des Themas Sicherheitsaspekte vermittelt Andy Müller-Maguhn des Datenreisebüro (Computer Chaos Club). Er zeigt in einem witzigen und kritischen Referat, aus den Blickwinkeln der verschiedenen Akteure auf, wie Daten akribisch gesammelt werden und welche Gefahren dabei auf die Gesellschaft lauern. Dabei werden die Möglichkeiten zur Erzeugung von SMS-Fälschungen, Initiierung von Trojanern anschaulich erklärt. Lösungen wie M-TAN, Jakarta Post Threats auf BlackBerry stehen dabei als Beispiele Modell. (Un-)Sicherheitsfaktoren werden im Einzelnen aufgrund von Programmier-Schwachstellen aufgezeigt. Zur kommerziellen Verwertung solcher Informationen gelten als mögliche Abnehmer von aufgedeckten Sicherheitslücken-Infos neben Softwareentwicklern auch andere Zielgruppen wie z.B. kriminelle Organisationen. Die Industrie verfährt oft so, dass Lücken und Fehler nicht kommuniziert sondern durch Up-Dates mit angekündigten Neufunktionen und Mehrwerten geschlossen werden. Maguhn spricht dabei eindrücklich vom Gap zwischen Technik/Mathematik und Marketing. Die kommerziellen Prioritäten stehen oft über den sicherheitstechnischen. Er zeigt aber auch mögliche Bewertungsfaktoren für mobile Applikationen auf. Wann spricht man von Datenverbrechen und wer trägt dafür die Verantwortung? Ironisch präsentiert er welches die Techniken für die Risikomaximierung sind. Einmal mehr macht er die Aussage “Vertrauen ist der Anfang von allem, nur, wie schaffen wir dies mit all den Unsicherheiten!“

Jean Paul Kölbl der UBS Card Center AG nimmt das Thema Sicherheit vom Vorredner auf und zeigt die Sicht der Bank auf. Er versichert dabei, dass Kunden anhand von Regeln, Kleingedrucktem geschützt werden. Über mögliche Schwachstellen erläutert er, wie Daten gestohlen und nachher betrügerisch eingesetzt werden. Der „Card not present“ Fraud ist mit 73% die meist genutzte Betrugsart. Hier werden jedoch 88% der Verluste zurückerstattet. „Fraudster“ werden durch komplexer werdende Hürden immer mehr vergrault und die Anzahl Fraud‘s damit vermindert. Anhand eines Zahlungsablaufs wird erklärt, wie eine Fraud-Erkennung bei jeder Zahlung durchgeführt wird. Auch die Sicherheit bei einer NFC- Transaktion auf einem Smartphone wird anschaulich aufgezeichnet und die einzelnen Schritte erklärt. Kölbl stellt mittels Szenarien die weitverbreiteten Annahmen der Wirklichkeit gegenüber.

Patrick Comboeuf, Direktor E-Business SBB, zeigt aus Sicht des öffentlichen Verkehrs die digitale Transformation und deren Antworten darauf, Social Mobile Loyalty 2.0 ist das Thema seines Referates. Er präsentiert die SBB Digital Themen in innovativer Manier, was er mit einem Video über Normalität unterstreicht. Die Einfachheit des iPhones stellt er unter Beweis indem er Studienresultate zeigt, wo 19% der Kindergartenschüler ein iPhone bedienen können. Dem gegenüber stehen legdiglich 9%, welche die Schuhe bereits selber binden können. Ein Erfolgsfaktor ist auch das Bewusstsein, dass man es neben den Digital Natives und Digital Immigrants auch mit Digital Ignorants zu tun hat. Er legt eine interessante Liste über erfolgreiche und gescheiterte Services auf. E-Tickets werden bei SBB 50% mehr über Mobile verkauft als Online. Er zeigt weitere Online/Mobile Facts der Schweiz sowie einige SBB-Assets aufgezeigt. Einige Highlights sind dabei die Facts, dass die SBB grösster E-Commerce- wie Toiletten-Anbieter sowie das grösste Shopping Center der Schweiz ist. Nun stellt Dr. Thomas Fromherz von Netcetera die Demoversion von Wally vor, der künftigen E-Wallet Lösung der SBB. Er zeigt neben der Live Demo ebenfalls einen Film um einen ersten Eindruck der Funktionalität des Wallets zu demonstrieren. Die Hauptthemen sind Payment, Couponing, Kundenkarte sowie das Verwalten des eigenen Kontos. Abschliessend zitiert Comboeuf Steve Jobs: “Sometimes customers do not know what they want, until we have shown them”! Er sieht übrigens für den Schweizer Markt nicht genügend Potential für mehrere Wallet-Plattformen.

Den Abschluss des Tages macht Hansi Voigt von 20 Minuten Online. Er spricht über die Herausforderungen und die Entwicklung der mobilen Medien und wo die Reise hingeht. Illustrativ blickt er zurück auf den mobilen Einstieg von 20 Minuten Online. Ausschlaggebend für den erfolgreichen Start war die Einführung des ersten iPhones sowie der Verfügbarkeit der “ready-to-go” iPhone App von 20 Minuten. Noch heute ist die Nutzung der iPhone User wesentlich höher als die durch andere Betriebssysteme, weshalb ist ihm nicht bekannt. Online News sind immer und überall dezent abrufbar. Die Statistiken zeigen ein neues Nutzungsverhalten der Leser. Durch die Learnings daraus arbeitet jeweils ein Redakteur in Asien. So werden die Inhalte für die Frühleser über Nacht aktuell gehalten. Das Feedback der neu geschaffenen und auch der älteren Lesergruppen ist sehr positiv. Es wird künftig der mobile Publishing Approach noch stärker verfolgt, Mobile ist seiner Meinung nach mehr als nur ein Channel. Durch den Fact, dass Nutzer fernsehen und gleichzeitig das Smartphone bedienen, wird durch sogenannte Second Screens eine neue Erlebniswelt geschaffen. Eine Herausforderung ist das richtige Timing. Immer mehr wird das mobile Internet die Apps verdrängen. Deshalb muss die Entwicklung für künftige Serviceangebote genau beobachtet werden. Anbieter sollten mit den Lesern auf Augenhöhe gehen und diese nicht von oben herab belehrt werden, erklärt Voigt abschliessend.

Themenschwerpunkte des Swiss Payment Forum 2012

  • Mobile Payment: Hier steht die Schweiz
  • Mehrwertdienste für den Kunden: Pflicht oder Kür?
  • Neue Player, neue Geschäftsmodelle: So funktioniert das Zusammenspiel
  • Das Smartphone: Die Geldbörse von morgen?
  • Hürden und Fallstricke bei der Umsetzung von NFC
  • Werbetrends 2013: Ein Klick von der Werbung zum Umsatz


Folgende Referenten haben auf dem Swiss Payment Forum 2012 mitgewirkt:

  • Patrick Comboeuf, Director E-Business, SBB
  • Rolf Fäh, Head Strategic Project Management, Aduno-Gruppe
  • Dr. Thomas Fromherz, Director Payment & Card Services, Netcetera
  • Jean Paul Kölbl, Senior Information Security Experte, UBS Card Center AG
  • Andy Müller-Maguhn, Datenreisebüro
  • Howie Sennhauser, Senior Product Manager Partner Relations & MVNO, Sunrise Communications
  • Tobias Wirth, Senior Product Manager m-Commerce, SIX Payment Services
  • Hansi Voigt, Chefredaktor, 20 Minuten Online

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